Die Musik zum Buch

Zu einem perfekten Sommer gehört der eigene Soundtrack einfach dazu. Noch Jahre danach erinnert er an die vielen, unvergesslichen Momente unter der toskanischen Sonne am glitzernden Meer. Auch Marcella und Paula werden in ihrem Sommer von so viel Musik begleitet, die sie tanzen, lachen oder manchmal auch weinen lässt, weil Musik einfach immer berührt …

Ein römischer Morgen. Sie hatte von Aleister geträumt. Wieder einmal. Von wem auch sonst? Die Monate waren ins Land gezogen. Marcella hatte Weihnachten mit ihren Eltern gefeiert, auf das neue Jahr mit Maria am Campo angestoßen. Marcella fühlte sich wohl in ihrer Heimat, auch wenn in ihrem Herzen noch immer dieser Schmerz loderte. Ein kitschiges Bild, wenn es um lodernde Schmerzen ging, doch wie sonst konnte Marcellas noch immer blutende Sehnsucht nach ihrer Jugendliebe Aleister auch nur annähernd in Worte gefasst werden?
Aleister war so schnell und unerwartet aus ihrem Leben verschwunden, wie er in eben dieses getreten war. Schade. Traurigkeit war das Einzige, was geblieben war – und Marcellas Versuch, sich vernünftigerweise an die Lebensfreude zu klammern, die ihre wiedergewonnene Heimat für sie bereithielt. Zuerst hatte sie das Scheitern ihrer Ehe bis ins Mark erschüttert. Nach sechsundzwanzig Jahren musste sie sich eingestehen, dass zwischen ihrem Ehemann Sven und ihr nicht viel übrig geblieben war von der Liebe, die sie einst verbunden hatte. Sie verließ ihr Zuhause, das sie für all die Jahre ihrer Ehe in Bonn aufgebaut, gestaltet und bewahrt hatte. Sie verließ ihr deutsches Leben, um wieder in die Fußstapfen ihrer Jugend zu treten. Mit fast siebenundvierzig Jahren war sie nun wieder am Beginn ihres Lebens. Damals jung und heute um so viele Erfahrungen reicher.
Und so lag sie hier in ihrem römischen Urlaubsbett und hörte es an ihrer Türe klopfen.
„Marcella, bist du endlich wach?“
„Aber sicher, Maria. Warte, ich mach‘ die Türe auf.“

(aus „Kälter als Stein“)


Andreas Playlist für Paula >>

Canzoni Italiane

Marcella stellte ihr Frühstücksgeschirr in das Spülbecken und gab Paula noch einen Abschiedskuss.
Als Marcella die Tür hinter sich schloss, hörte Paula leise Musik aus dem Radio. Es war ein schönes Lied. Sie war ja noch nicht so auf italienische Musik eingeschossen, aber die Melodie fand sie gleich wunderschön. Sie machte das Radio lauter.

Quello che voglio io da te
Non lo so spiegare
Ma se tu vai via, porti i miei sogni con te
Piccola anima
Tu non sei per niente piccola

sang es aus dem Radio.
Paula verstand den Text. Sie breitete ihre Arme aus und fing an sich zur Musik zu drehen, zu tanzen. Sie tanzte barfuß in ihrem Pyjama im Wohnzimmer und musste lachen.
„Andrea, kennst du dieses Lied? Es geht um eine kleine Seele, piccola anima?“, schrieb Paula eine Textnachricht an Andrea.
Die Antwort kam prompt: „Ermal Meta. Wunderschönes Lied. Was machst du heute? Ich glaube, du brauchst Nachhilfe in italienischer Musik!“
Paula freute sich über Andreas Antwort.
„Ja, das kann nicht schaden. Und ich will die CD von diesem Ermal. Also, wann sehen wir uns?“
Die beiden verabredeten sich für die Mittagszeit. Andrea würde bei Paula anklingeln. Jetzt war es noch zu früh am Morgen und trotz wunderschöner Musik zog es die beiden wieder zurück in ihre Betten. Ausschlafen gehörte zum italienischen Sommer dazu wie die Sonne zum Meer.

(aus „Kälter als Stein“)